Mittwoch, 5. Dezember 2012

Gedenktafel zur Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung und Bibliothekssäuberung

Am 23. April des Jahres 2004, dem "UNESCO Welttag des Buches", wurde von Bürgermeister Peter Jung - in Vertretung des Oberbürgermeisters Dr. Kremendahl[2] - und Kulturdezernentin Marlis Drevermann[1] an der Zentralbibliothek in der Kolpingstraße eine Gedenktafel ("Denk-Zeichen") zur Erinnerung an die nationalsozialistische Bücherverbrennung und "Säuberung" der Bibliotheken enthüllt. Anwesend war als Vertreter der jüdischen Gemeinde auch Rabbiner Barruch Rabinowitz.[1] Vorher hatte die Schauspielerin Judith Genske in einer literarischen Lesung unter anderem Texte von Heinrich und Thomas Mann, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun, Else Lasker-Schüler und Armin T. Wegner vorgetragen.[2] Zur Enthüllung erklärte Bürgermeister Peter Jung, Vernichtung von Literatur sei das Schlimmste, was einer Gesellschaft passieren könne. Die Besucher der Zentralbibliothek sollten daran erinnert werden, dass sie die Freiheit besäßen, an diesem Ort auszuleihen, was immer sie wollten.[1]
Unter zwei zeitgenössischen Bildern, die die Bücherverbrennung auf dem Brausenwerther Platz in Elberfeld und dem Rathausplatz in Barmen, sowie einen Bibliothekar bei der "Säuberung" der Buchbestandes zeigen, erklärt die schlichte Tafel:
"Am 1.April inszenierten die Nationalsozialisten auf dem Rathausvorplatz in Barmen und am Döppersberg in Elberfeld öffentliche Bücherverbrennungen, die von Lehrern und Schülern der Wuppertaler Oberschulen organisiert und durchgeführt wurden. Die Stadtbibliothek Wuppertal war ab Frühjahr 1933 mehrmals Schauplatz nationalsozialistischer "Säuberungsaktionen". Damit sollte die sogenannte "undeutsche" Literatur aus den Büchereibeständen "ausgemerzt" werden. Anfang 1936 wurden bei einer solchen Aktion mit Hilfe von "Schwarzen Listen" mehr als 26.000 Bücher ausgesondert.
Der ideologische Hass und die Verbote richteten sich grundsätzlich gegen Autoren jüdischer Herkunft sowie gegen alle Schriftsteller, deren Werke die Ideen der Moderne verkörperten und die pazifistisch oder politisch links orientiert waren. Zu den verfolgten Intellektuellen gehörten u.a. Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich und Thomas Mann, Erich Maria Remarque, Anna Saghers, Kurt Tucholsky und die Wuppertaler Autoren Else Lasker-Schüler und Armin T. Wegner.
Die Bücherverbrennungen und Bibliothekssäuberungen der Nationalsozialisten zielten auf die Zerstörung einer an Humanität und Aufklärung orientierten deutschen und europäischen Kultur. In ihrer Folge wurden zahlreiche Schriftsteller, Künstler, Journalisten und Publizisten geächtet, zur Emigration gezwungen, ermordet oder in den Selbstmord getrieben"
Die Stadt Wuppertal, im April 2004"
Bereits 1998 hatte die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft einen Antrag an den Stadtrat gestellt, auf dem Rathausvorplatz in Barmen eine Lichtinstallation des Münchner Künstlers Wolfram Kastner aufzustellen, um so an die Bücherverbrennung zu erinnern. Eine Mehrheit konnte man damit nicht für sich gewinnen.[3] Am 12.Mai 2003 griff die PDS-Ratsfraktion das Thema erneut auf und stellte den Antrag, am Rathausvorplatz eine Gedenktafel anzubringen.[4] Die FDP-Ratsfraktion beantragte am 9.Juli 2003 die Erstellung des Mahnmals, welches die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft 1998 vorgeschlagen hatte. Es wird im Antrag so beschrieben:
 "Wir möchten den Vorschlag der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft e.V. aufnehmen und beantragen, den Text “Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch Menschen” (Heinrich Heine) mitten in einem schwarzen Brandfleck auf eine bruchfeste Glasplatte vor dem Rathaus zu plazieren. Die Glasplatte soll von unten bei Dunkelheit beleuchtet werden, damit die Schrift im schwarzen Fleck noch besser sichtbar ist."[5]
Am 24.September 2003 beschloss dann der Kulturausschuss einen Verwaltungsvorschlag zur Aufstellung einer Tafel an der Zentralbibliothek und lehnte die Anträge von PDS und FDP ab. Am 13.Oktober 2003 dürfte der Rat der Stadt Wuppertal der Empfehlung von Kultur- und Hauptausschuss gefolgt sein.[5]
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[1] Denk-Zeichen erinnert an "Säuberungen", in: WZ vom 24.April 2004.
[2] Einladung zur Enthüllung der Gedenktafel, o.J., o.V.
[3] Anne-Kathrin Reif, "Wen wollen wir woran erinnern?", in: WZ vom 4.Juni 1998.
[4] VO/1544/03 

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