Freitag, 18. Mai 2012

Denkmal für den Ronsdorfer Stadtbahnhof

Das Denkmal am ehemaligen Stadtbahnhof
Am 25.März 2006 wurde neben dem Ronsdorfer Schwimmbad ein Denkmal enthüllt, das an den Ronsdorfer Stadtbahnhof erinnert. Bis dahin war nur die Straße und die Haltestelle "Am Stadtbahnhof" als Spur dieser Verkehrsanlage übrig geblieben. Bürgermeisterin Sylvia Kraut, der Vorsitzende des Heimat- und Bürgervereins Alexander Schmidt und Bezirksvorsteher Lothar Nägelkrämer enthüllte zunächst die Straßenbahnachse und anschließend die zugehörige Tafel. Ebenfalls anwesend waren die Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins, Dr. Leckebusch, vom Stadtverband der Bürger- und Bezirksvereine, Dr. Baumann, von den Bergischen Museumbahnen die Herren Schumann und Beiersmann und von den WSW Herr Cappel.[1] Den Bergischen Museumsbahnen dankte Alexander Schmidt für die Spende einer Straßenbahnachse, den WSW für die Aufarbeitung derselben, der Bezirksvertretung für die finanzielle Unterstützung und der Firma Schuchhardt für die Herstellung von Sockel und Fundament.[2]


Ein großzügige Erinnerungstafel erklärt dem Betrachter die Geschichte des Ortes.
Vor der Denkmaleinweihung war Wolfgang Hellmig mit vielen der ca.100 Anwesenden von der ehemaligen Haltestelle Wasserturm durch die Ronsdorfer Anlagen über den Kaiserplatz und durch den Ascheweg zum Stadtbahnhof gewandert. Mit von der Partie war Theo Benninghoven, der an vielen Stellen des Weges Anekdoten erzählen konnte. Nach der Einweihung erzählte dann Winfried Arenz, ehemaliger Bezirksvorsteher, der lange Jahre im Verwaltungsgebäude der Ronsdorf-Müngstener Eisenbahn gewohnt hatte, von den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs, bei dem der Stadtbahnhof verschont geblieben war und von den Entscheidungsprozessen, die zum Denkmal in der heute bestehenden Form geführt hatten. So musste zum Beispiel das Aufstellen einer Lokomotive oder von Güterwaggons auf Meterspur-Rollwagen aus Sicherheitsgründen und wegen hoher Folgekosten verworfen werden. Auch die Idee eines Modells der Anlage, das im Kassenraum des Stadtbades aufgestellt werden sollte, wurde wegen fehlender Transparenz und den Öffnungszeiten verworfen.[1] Neben Winfried gehörten auch das Ehepaar Lenz und Helmut Schünemann zu den Initiatoren des Denkmals.[2] Abschließend hielt Günther Konrad einen Dia-Vortrag in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr in der Fachschule.[1]
Am Tag der Einweihung wurde von den Anwesenden direkt ein Fehler in der oben stehenden Zeichnung erkannt: Die Lok stand im Fahrbetrieb grundsätzlich mit Schornstein bergwärts, also genau anders herum.[2]
Der Stadtbahnhof war die Zentrale des Güterverkehrs der Ronsdorf-Müngstener-Eisenbahn, die auf meterspurigem Gleis ab 1891 den Staatsbahnhof Ronsdorf (deswegen die Unterscheidung zum "Stadtbahnhof"), den Toelleturm auf Lichtscheid und das Morsbachtal bis Müngsten verband und für die zahlreichen Firmen, Hämmer und Kotten entlang des  Morsbaches den Verkehr besorgte.[2] Der Weg vom Stadtbahnhof zum heute noch bestehenden (Staats-)Bahnhof führte über Ascheweg, In der Krim, kreuzte die Erbschlöer Straße und ging dann weiter über die Straßen Am Kraftwerk, Geranienstraße, Lüttringhauser Straße und Nibelungenstraße.
Zum Toelleturm existierte ein Ringverkehr. In Richtung Lichtscheid gelangte man über die Remscheider Straße, am Markt vorbei, über Elias-Eller- und Staubenthaler Straße nach Líchtscheid, von dort führte der Weg am Wasserturm vorbei durch die Ronsdorfer Anlagen, über den Kaiserplatz, die Straße in der Krim mithilfe einer Brücke überquerend zum Ascheweg. Vom Stadtbahnhof nach Müngsten ging es über die Remscheider Straße durch die Ortschaften Hütte und Graben nach Remscheid, dort durch Halbach, Stollen und Clarenbach auf die Morsbachtalstraße. 15,6 Kilometer war die Strecke lang, überwand 186 Höhenmeter und besaß 20 Haltestellen für den Personenverkehr.[3] 1908 wurde für den Personenverkehr die Strecke von Müngsten hinauf nach Solingen-Krahenhöhe verlängert. Die dort fahrende Straßenbahn rentierte sich aber nicht und wurde bereits 1917 eingestellt.[2]
Eine schematische Darstellung des Bedienungsgebiets ist auf der Tafel angebracht.
Diese Strecke so weit ab von den Bewohnern Ronsdorfs, Remscheids, Cronenbergs und Solingens ist eine typische für die Zeit der Industrialisierung. Sie baute auf den Güterverkehr und schaffte die dringend benötige Kohle für die neuen Dampfmaschinen heran und transportierte die durch die maschinelle Produktion immer größer werdenden Warenmengen ab. Neben den genannten Städten beteiligten sich auch Lüttringhausen und 25 Privataktionäre an der Gründung der RME im Jahr 1887. Eine Million Mark kostete der Bau, doppelt so viel wie veranschlagt (früher war eben nicht alles besser). Im Volksmund bekam sie dafür den Spitznamen Millionenbahn. Der wirtschaftlich erwartete Erfolg blieb aus, dafür konnte der Personenverkehr doppelt soviel erwirtschaften - Dank des Publikumsmagneten Müngstener Brücke. Im Jahr 1902 wurde die Strecke von der Barmer Bergbahn übernommen (bereits zwei Jahre zuvor hatte die Westdeutsche Kleinbahn AG die RME gekauft) und elektrifiziert. Zwischen 1917 und 1921 musste der Personenverkehr zwischen Clarenbach und Müngsten eingestellt werden.[3]
Der Zustand um 1950. Gut sind die Rollwagen zu erkennen.
Nachdem das Stückgut lange Jahre mühsam von Hand aus den Güterwagen der Staatsbahn in Güterwagen der RME umgeladen werden musste, da die Staatsbahn auf Normalspur unterwegs war (und bis heute ist), kam man 1932 auf die Idee, einfach die Güterwagen auf Rollwagen zu verladen, sodass diese auf der Meterspur transportiert werden konnten.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte der endgültige Niedergang der Bahn. Ab 1951 fuhr auf den zerschlissenen Gleisen nur noch ein Güterzug pro Tag, mit dem Busverkehr, dem LKW und dem Ende der Barmer Bergbahn kam der letzte Betriebstag am 30.August 1959. Mitte der 1960er Jahre wurden die Gebäude und Betriebseinrichtungen abgerissen und das Stadtbad wurde an der Stelle errichtet.
Noch einmal die komplette Tafel.
Die Chronik der Tafel führt auf:
Linke Seite: (Auf eine Wiedergabe des Layouts wird verzichtet.)
"1887  Gründung der Ronsdorf-Müngstener- Eisenbahn-Aktiengesellschaft. Festgesetztes Grundkapital von 500 000 Mark Aktionäre: die Stadtgemeinden Cronenberg Lüttringhausen, Remscheid, Ronsdorf und Solingen sowie 25 Privataktionäre.
1888  Beschluß des Ronsdorfer Stadtrates über eine Beteiligung von 180 00 Mark
1889  Erteilung der Konzession. 1890 Baubeginn
1891  Im Mai Eröffnung der Teilstrecke von Ronsdorf Stadtbahnhof nach Ronsdorf Staatsbahnhof (1,56 km).
1891  Im November Eröffnung der Strecke von Ronsdorf Stadtbahnhof nach Clarenbach (4,62 km)
1894  Erweiterung der Strecke von Ascheweg bis Toelleturm.
1902  Übernahme der R.M.E A.G durch die Barmer Bergbahn AG.

Rechte Seite:
1902  Erweiterung der Strecke von Clarenbach nach Remscheid Schöne Aussicht. Einbau eines Gleisbogens an der Fachschule und Aufnahme des Ringverkehrs (Waldstrecke Kaiserplatz, Stadtbahnhof, Fachschule, Markt, Elias-Eller-Straße, Staubenthaler Straße, Jägerhof).
1903  Elektrifizierung aller Streckenabschnitte.
1903  Letzte Dampfzugfahrt von Ronsdorf nach Müngsten.
1908  Erweiterung der Strecke von Müngsten nach Solingen Krahenhöhe mit Anschluß nach Schloß Burg an der Wupper.
1932  Einführung des Rollwagens zum Transport von Normalspurwagen auf der Meterspur
1940  Vereinigung der Wuppertaler Verkehrsbetriebe zur Wuppertaler Bahnen AG.
1944  Stufenweise Stilllegung der Strecke von Müngsten bis Clarenbach
1959  Umstellung des Schienenverkehrs auf Autobus und O-Bus."

Wer die Spuren der Ronsdorf-Müngstener-Eisenbahn entdecken möchte, ist bei Tramtracks.de gut aufgehoben.

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[1] Neues Denkmal am Stadtbahnhof, in: Ronsdorfer Wochenschau vom 29.März 2006. 
[2] Wolfgang Wohlers, Eisenbahndenkmal soll an alte Zeiten erinnern, in: Ronsdorfer Sonntagsblatt vom 02.April 2006.
[3] Als durch Ronsdorf die Züge rollten, in: Ronsdorfer Wochenschau vom 22.März 2006.

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