Montag, 23. April 2012

Armenpflege-Denkmal (1903)

Das Armenpflegedenkmal, der Kirchplatz und die reformierte Kirche.
Bild entnommen aus: Deutschlands Städtebau, Elberfeld,
bearbeitet und herausgegeben von Stadtbaurat Koch, "DARI", Berlin 1928, S.13.
(Bild ergänzt am 07.09.2012)
Es war der 24.September 1903, als bei strahlendem Sonnenschein eine festliche Menge Elberfelder Bürger Zeuge wurde, wie das Armenpflege-Denkmal auf dem Kirchplatz neben der alten reformierten Kirche (heute City-Kirche genannt) im Herzen Elberfelds eingeweiht wurde. Das Denkmal war den drei Männern gewidmet, die das "Elberfelder System" geschaffen hatten: Daniel von der Heydt, David Peters und Gustav Schlieper. Das Elberfelder System war eine Reaktion auf die Entwicklung Elberfelds zur Industriestadt und sollte ab 1853 die Armenverwaltung der Stadt reformieren. Man dezentralisierte die Verwaltung und setzte in der Betreuung der Armen auf viele ehrenamtliche Armenpfleger, die ihre wenigen Klienten gut betreuen konnten.

Das Armenpflegedenkmal.
Bild entnommen aus: Deutschlands Städtebau, Elberfeld,
bearbeitet und herausgegeben von Stadtbaurat Koch, "DARI", Berlin 1922, S.49.
(Bild ergänzt am 07.09.2012)
Die Stadt Elberfeld hatte zum 50jährigen Jubiläum dieses von vielen Städten übernommenen Systems einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem der Entwurf "Hülfreich und gut" des Berliner Bildhauers Wilhelm Neumann-Torborg den zweiten Platz errang und mit leichten Änderungen zur Ausführung bestimmt wurde. Neumann-Torborg schuf im gleichen Jahr das Barmer Dörpfeld-Denkmal. Teil der Wettbewerbsbedingungen war, dass das Denkmal Bildnisse der drei Gründer enthalten und die Armenpflege ausdrücken sollte. Inklusive der Kosten für das Fundament sollten die Kosten nicht mehr als 15.000 Mark betragen. Ebenfalls an dem Wettbewerb teilgenommen hatten Wilhelm Albermann aus Köln, Gustav Eberlein und Ludwig Brunow aus Berlin.
Das Armenpflege-Denkmal auf einer Fotografie unbekannten Datums.
Stadtarchiv Wuppertal, 19.6
Das Denkmal auf dem ca. zwei Meter hohen Granitsockel zeigt eine Frauengestalt, die einen gebückt sitzenden Greis mit einer Speise labt. Am Sockel fanden sich drei Bronzereliefs der Begründer des Elberfelder Systems, auf der Rückseite war folgende, von der Stadtverordnetenversammlung festgelegte Inschrift angebracht: 
"Den Begründern der Neuordnung
des Armenwesens
in dankbarer Erinnerung
errichtet von der Stadt
Elberfeld
1853-1903"
Die Reliefs (ohne die sie umgebenden Ornamente) von
Gustav Schlieper, Daniel von der Heydt,  David Peters.
Entnommen aus RMK, S.138, dortige Quellenangabe: "Sammlung Stadtarchiv"
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Figurengruppe und die Reliefs eingeschmolzen. Gerüchte, sie hätte an einem Versteck den Krieg überlebt, haben sich nicht bestätigt. Der Sockel wurde allerdings auf dem Platz eingegraben und dient heute wieder unter dem 2011 neuen Armenpflege-Denkmal. Zur Erinnerung an das zerstörte Denkmal und das Elberfelder System wurde 1973 eine Gedenktafel an der Nordwand der City-Kirche angebracht. Außerdem existiert bis heute im Historischen Zentrum ein Bronze-Modell des Denkmals, das 1903 von Frau Aders gestiftet worden war. 

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RMK, S.137-139.


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