Samstag, 18. Juni 2011

Pallas Athene am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium

Es war der 2.Mai 1957, als die überlebensgroße Bronzestatue "Pallas Athene" von Arno Breker vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium zum ersten Mal aufgestellt wurde. Zwei Tage später nahm die Schule bei einer Feierstunde für ihren Namensgeber Wilhelm Dörpfeld die Statue in ihre Obhut.Wilhelm Dörpfeld war selbst Schüler des Barmer Gymansiums gewesen, das 1931 mit dem Elberfelder Gymnasium zusammengelegt wurde und 1938 seinen Namen erhielt. 
Arno Brekers Statue für den Neubau des Gymnasiums am Johannisberg ging aus einem beschränktem Wettbewerb hervor, der Metallbildhauer Werner Gabel fertigte die griechischen Buchstaben am Sockel der Kriegs-, Weisheits, Strategie-, Handwerks und Handarbeitsgöttin.[1]
Pallas Athene

Am 20.März 2003[2],  der Nacht in der die US-Amerikaner den Krieg gegen den Irak Saddam Husseins eröffneten, wurde die Statue von Unbekannten vom Sockel gestürzt und dabei beschädigt. "Weg mit Brekers Kriegsgöttin" sprühten die Täter auf den Sockel.[3]
Eine sehr lebhafte  Diskussion um die Wiederaufrichtung der Statue entstand. Sie war vor allem durch die tiefe Verbindung des in Elberfeld geborenen Bildhauers Arno Breker zur NS-Diktatur geprägt. Die Schule entschied sich nach intensiver Auseinanderstzung dazu, die Statue, deren Reparaturkosten (restauriert von Martin Möbus) in Höhe von 3000 €[4] von einem anonymen Spender bezahlt wurden, wieder aufzustellen und mit Hilfe einer neuen Tafel die Haltung der Schule zu erklären. Am 8.April 2005 wurde die Statute nach Schulschluss ohne Zeremonie aufgestellt. 
Seit 2005 ergänzt diese Tafel die Statue von Arno Breker.

Auf der Tafel ist folgende Inschrift angebracht: 
"Pallas Athene
Von Arno Breker
Kunstwerk und Zeitdokument
1956 in einer öffentlichen Ausschreibung
        der Stadt Wuppertal gewählter Entwurf
1957 Aufstellung der Plastik vor dem
        Haupteingang des Schulneubaus
2003 Sockelsturz als "Breker Statue"
        und "Kriegsgöttin"
        Beratung der Schulgemeinde und der
        Stadt Wuppertal
2005 Wiederaufstellung durch die
        Stadt Wuppertal nach positivem Votum
        der Schule
Leitgedanken der Schulgemeinde
Wir distanzieren uns von Brekers Rolle
      als führendem Bildhauer im NS-Staat.
Wir lehnen Bilderstürmerei als Mittel geistiger
     und politischer Auseinandersetzung ab.
Wir sehen in Athene eine Repräsentantin
     der Weisheit, der Wissenschaften und
     der Künste, Vorbild auch für das Lernen
     in der Schule.
Wir verstehen die Darstellung der Athene
     als Symbol für das zeitübergreifende
     geistige Erbe der Antike, nicht für die
     zeitgebundene Wehrhaftigkeit der
     der Stadtgöttin Athens.
Wir schätzen "die Athene" als Wahrzeichen
     unserer Schule.
Wir erkennen in dem Kunstwerk auch ein
     Zeitdokument, das Schule und Öffentlich-
     keit zum Nachdenken über das Verhältnis
    von Kunst, Moral und Politik auffordert."

Pallas Athene ist heute Teil des Skulpturenparks Johannisberg.
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[1] RMK, S.369.
[2] Artikel des Bürgerverein Elberfelder Südstadt: "Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium: Pallas Athene steht wieder auf ihrem Sockel"
[3] Zitat des Artikels von Stefan Koldehoff, "Opfer des Krieges – Bildersturm in Wuppertal: Statue von Arno Breker umgestürzt" Süddeutsche Zeitung auf az-wuppertal.de (Autonomes Zentrum)
[4] Fotografie der WZ vom 9.April 2005: "Brekers Pallas Athene wieder am alten Platz" von Ulla Dahmen auf wdg.de

Weiterführende Links
Stammbaum des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums Wuppertal auf wdg.de
Restaurierung der Pallas Athene
Walter Grasskamp im Gespräch mit dem Deutschlandradio (28.06.2004)
Stefan Koldehoff: Hitlers Supermännchen, Süddeutsche.de (18.07.2006)
Antrag der PDS zur Nichtwiederaufstellung der Statue im Rat der Stadt (21.02.2005)(PDF)
Vorlage Kulturausschuss zur Wiederaufstellung der Statue (09.06.2004)(PDF)
Anlage mit Schulvotum der Schulkonferenz und ausführlicher Begründung für die Sitzung des Kulurauschusses(PDF)

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